Austritt von Rohmehl aus der Drehofenanlage 8 im Zementwerk Lengerich

Information zur Betriebsstörung am Freitag, den 26. August 2016

Am Freitag, den 26. August 2016 kam es im Zementwerk Lengerich aufgrund eines externen Stromausfalls zu einer kurzen Betriebsstörung, in deren Folge sich im engen Umfeld des Werks Rohmehl als Staub niederschlug. Eine Gesundheitsgefährdung durch den ausgetretenen Staub bestand zu keiner Zeit. Aus diesem Ereignis sind jedoch für die Betroffenen Belästigungen entstanden, die wir sehr bedauern. Mit den folgenden Antworten auf Fragen, die uns zu dem Ereignis erreicht haben, möchten wir das Geschehen nachvollziehbar machen.

Fragen und Antworten zum Rohmehlaustritt am 26. August 2016

Wie lange hat der Stromausfall im Werk Lengerich gedauert?

Der Stromausfall im Werk Lengerich fand um ca. 6:20 Uhr statt und dauerte ca. 3,3 Sekunden.

Durch welche Ereignisse kam es zur Freisetzung von Staub in diesem Zusammenhang? Welche Maßnahmen hat Dyckerhoff im Zusammenhang mit der Betriebsstörung ergriffen?

Während des Stromausfalls waren die Produktionsabläufe im gesamten Werk kurzfristig stromlos. Hiervon ausgenommen war die Leittechnik. Für diese steht eine unterbrechungsfreie Spannungsversorgung (USV) zur Verfügung, deren Batterien sofort die Stromversorgung übernahmen.

Unabhängig von der Länge eines Stromausfalls, werden durch automatische Sicherheitsabschaltungen die Gebläse der Ofenanlagen, die Rohmehlaufgabe und die Brennstoffzufuhr unterbrochen. Dieser sicherheitstechnisch bedingte Stillstand dient dazu, ein geordnetes Wiederanfahren der Anlagen zu ermöglichen. Er dauert grundsätzlich länger als der Stromausfall, der zudem im konkreten Fall sehr kurz war.

In der Folge stagnierte der Abgasstrom nahezu vollständig innerhalb des Systems.

Die Materialsäule mit dem Rohmehl, welches sich aktuell in den Zyklonen des Wärmetauschers befindet, bricht unter solchen Bedingungen in sich zusammen und es kann zu einer Materialansammlung im System kommen. Dies hat im aktuellen Fall zu einer Verstopfung eines Zyklons im Wärmetauscher der Drehofenanlage 8 geführt.

Nach der Stromunterbrechung wurden die Anlagen des Werkes schrittweise wieder systematisch angefahren. Vorrang hatten dabei sicherheits- und umweltrelevante Anlagen wie die EGR-Filter.

Die Filteranlage des Drehofens 4 war umgehend nach dem Stromausfall wieder in Betrieb. Die Drehofenanlage 4 konnte um ca. 9:00 Uhr wieder in Betrieb gehen.

Die Filteranlage des Drehofens 8 war ca. 22 Minuten nach dem Stromausfall, um ca. 6:42 Uhr, wieder in Betrieb – in dieser Zeit waren die Rohmehlaufgabe und Gebläse nicht in Betrieb.

Der Drehofen 8 wurde erst am Tag nach dem Stromausfall, dem 27. August 2016, wieder angefahren, da zunächst die Zyklonverstopfung beseitigt werden musste.

Für die Beseitigung einer Zyklonverstopfung existiert eine technische Verfahrensanweisung, die von den zuständigen Mitarbeitern ordnungsgemäß umgesetzt wurde.

Um die Verstopfung zu beseitigen, muss zunächst das gestaute Rohmehl gelockert werden. Dies geschieht mit Hilfe einer Lanze, die durch Klappen im Wärmetauscher eingeführt wird. Bei diesem Vorgang kam es an einer ca. 200 mm großen Klappe im Wärmetauscher von Drehofen 8 zu dem Austritt von Rohmehl.

Der ganz überwiegende Anteil des ausgetretenen Rohmehls schlug sich direkt im Wärmetauscher nieder und trat nicht in die Umgebung aus. Eine Menge von ca. 500 kg trat in die engere Umgebung aus (siehe unten).

Welche genaue Zusammensetzung hatte der Staub, der das Werk verlassen hat? Ist die Zusammensetzung von einem unabhängigen Institut analysiert worden?

Bei den freigesetzten Stäuben handelt es sich um Rohmehl. Hauptbestandteil des Rohmehls ist der im Steinbruch Lengerich abgebaute und für die Produktion feingemahlene Kalkstein. Dieser besteht im Wesentlichen aus Calciumcarbonat (CaCO3). Außerdem enthält er die in dem Gestein vorkommenden Spurenelemente, die im Einzelnen z.B. in der Umweltverträglichkeitsstudie für die Genehmigung der Klärschlammverbrennung ausgewiesen sind.

Nebenbestandteile des Rohmehls sind Natursand (im Wesentlichen aus der Sandgrube Hohne) sowie als Sulfatträger REA-Gips.

Erste Analysen wurden unverzüglich in unserem Labor vorgenommen und haben den Charakter der ausgetretenen Stäube als Kalkstein-Rohmehl bestätigt. Proben wurden auch an ein akkreditiertes Labor gesandt, die Analysenergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.
07.10.2016 Hinweis: Die Analyseergebnisse liegen mitterweile vor und wurden von der Bezirksregierung Münster auf der Ratssitzung Lengerich am 04.10.2016 als unbedenklich bewertet (siehe Pressespiegel vom 06.10.2016).

Welches Gebiet war von Staubniederschlag betroffen? Wie lange dauerte die Freisetzung des Staubs?

Die Menge an Rohmehl, die den Wärmetauscher der Drehofenanlage 8 verlassen hat und im Werksumfeld niedergegangen ist, wird auf ca. 500 kg geschätzt. Der Austritt dieser Menge erfolgte innerhalb weniger Minuten.

Zeitnah nach dem Ereignis fand eine Begehung der Umgebung durch Dyckerhoff statt. Die Begehung ergab, dass ein enges Umfeld von der Immission betroffen war: der Bereich nordwestlich des Werkes, der Bereich der Großpeterstraße und der Schlenkhoffstraße.

Aufgrund der Windverhältnisse zum Zeitpunkt des Rohmehlaustritts – schwacher Wind in Richtung Nordwesten – waren keine weiteren Bereiche, wie etwa das Gebiet der Gemeinde Lienen, betroffen. Diese Einschätzung wurde auch durch die Behörde nachvollzogen.

Gibt es Notstromaggregate im Werk? Falls ja, sind diese redundant ausgelegt? Wie wird die Funktionsfähigkeit trotz langen Stillstands sichergestellt?

Die Sicherheit des Werks im Falle eines Stromausfalls wird durch eine Reihe von technischen Vorkehrungen gewährleistet:

  • Das Werk verfügt über eine unterbrechungsfreie Spannungsversorgung (USV) z.B. für die Leittechnik.
  • Im Falle eines Stromausfalls greifen automatische Abschaltungen, mit denen das Fortlaufen bestimmter Prozesse bis zu dem Zeitpunkt unterbunden wird, in dem diese Prozesse kontrolliert wieder hochgefahren werden können.

  • Das Werk verfügt über zwei Notstromaggregate für die Drehofenanlagen. Diese fahren automatisch an und übernehmen im Bedarfsfall die Versorgung sicherheitsrelevanter Anlagenteile. Aufgrund der unterschiedlichen Größe der beiden Drehofenanlagen sind die Notstromaggregate anlagenspezifisch ausgelegt.

Während der Stillstandzeiten dieser technischen Vorkehrungen wird deren Funktionsfähigkeit durch regelmäßige Funktionsprüfungen und Testbetriebe sichergestellt.

Gibt es eine Analyse darüber, welche Gefährdungen für die Bevölkerung entstehen können, wenn bei ungünstigen Windverhältnissen und zu einem ungünstigen Zeitpunkt der Produktion (z.B. Anlieferung von gefährlichen Sekundärbrennstoffen bzw. Ausschleusung von giftigen Filterstäuben) der Strom im Werk Buzzi/Dyckerhoff ausfällt? Wie ist in einem solchen Fall der Schutz der Bevölkerung sichergestellt?

Für den äußerst unwahrscheinlichen Fall einer Gefährdung der Bevölkerung wurden entsprechend den gesetzlichen und behördlichen Vorgaben u.a. risikoorientierte Gefahrenanalysen und ein Konzept zur Verhinderung von Störfällen erstellt und regelmäßig aktualisiert. Denkbare Gefährdungen für den Menschen und die Umwelt werden detailliert analysiert und bewertet und Gegenmaßnahmen konzipiert.

Die ebenfalls analysierten und bewerteten Gegenmaßnahmen zielen auf die Verhinderung einer Gefährdung bzw. die Minimierung denkbarer Auswirkungen für Mensch und Umwelt.

Die Dyckerhoff GmbH unterhält ein Sicherheitsmanagementsystem, welches die Organisation und Dokumentation der Anlagensicherheit regelt. Es existieren zahlreiche Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Alarmpläne, die regelmäßig durch behördliche Inspektionen sowie interne und externe Audits überprüft werden.

Schließlich möchten wir darauf hinweisen, dass die genannten Beispiele für vermutete Gefährdungssituationen nicht zutreffen.

Anlieferung von Sekundärbrennstoffen. Unter den im Zementwerk Lengerich eingesetzten Sekundärbrennstoffen sind lediglich Lösemittel als Gefahrstoff eingestuft. Lösemittel werden ausschließlich in geschlossen Tankfahrzeugen und Tanks gehandhabt. Unterschiedliche Windverhältnisse haben keinen Einfluss auf diese Systeme. Der Befüllungsvorgang vom Tankfahrzeug in den Tank wird im Fall eines Stromausfalls unterbrochen, das geschlossene System bleibt dabei erhalten.

Ausschleusung von Filterstäuben. Die Handhabung der aus den EGR-Filtern ausgeschleusten Stäube erfolgt ebenfalls in geschlossenen Systemen. Für diese Systeme spielen Windverhältnisse keine Rolle, ein Stromausfall führt zur Abschaltung der Systeme, die Geschlossenheit bleibt dabei erhalten.

Für weitere Informationen steht unsere Immissionsschutzbeauftragte Steffi Fischer gerne zur Verfügung:

Steffi Fischer:
Tel. 05481 31-301,
Steffi.Fischer@dyckerhoff.com